Trauma-Vererbung kann verhindert werden
Unter starkem Stress leidet noch die nächste Generation – dank epigenetischer Trauma-Vererbung. Doch der angerichtete Schaden kann auch wieder repariert werden.
von Lars Fischer
Lars Fischer ist studierter Chemiker und Redakteur bei „Spektrum.de“. » zur ProfilseiteGoogle

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(Ausschnitt)
Schwere Traumata haben nachhaltige Auswirkungen auf den Körper und das Verhalten und werden sogar an die Nachkommen weitergegeben. Dies ist jedoch offenbar kein unabwendbares Schicksal, wie ein Schweizer Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Isabelle Mansuy nun herausgefunden hat. Der Forscher zeigte durch Experimente an Mäusen, dass epigenetische Vererbung unter bestimmten Umständen rückgängig gemacht werden kann. Dabei setzte sie neugeborene männliche Mäuse durch vorübergehende Trennung von ihren Müttern traumatischem Stress aus, wodurch eine dauerhafte Verhaltensänderung verursacht wurde. Unter normalen Umständen zeigen sie und noch ihre Nachkommen deutlich verändertes Verhalten. Durch eine besonders angepasste stressarme Umgebung gelang es Mansuy jedoch, das Verhalten im Erwachsenenalter wieder zu korrigieren – und auch die Nachkommen zeigten dann keine Spur des Traumas mehr.

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Eine Ursache für vererbte Traumata ist eine epigenetischer Effekt: In diesem Prozess verändert sich die genetische Sequenz selbst nicht, sondern andere Faktoren rund um die DNA, die ebenfalls über die Keimbahn weitergegeben werden. Stress verursacht Veränderungen am Gen für einen Glukokortikoidrezeptor einige Methylgruppen verschwinden. Dies betrifft den Hippocampus, den Teil des Gehirns, der Stress und Angst reguliert. Durch diese Demethylierung werden mehr Rezeptoren in den Zellen gebildet, und das Verhalten verändert sich. Da die Veränderungen auch auf molekularer Ebene in den Keimzellen auftreten, zeigen die Nachkommen eine ähnliche Reaktion. In Mansuys Experimenten ließ sich dies jedoch durch eine besonders stressfreie Umgebung rückgängig machen: Offenbar kehren die fehlenden Methylgruppen unter bestimmten Umständen zurück – ein Hinweis darauf, dass epigenetische Effekte auch gezielt beeinflusst und sogar rückgängig gemacht werden können.
